Im Durchschnitt fliessen jährlich
3 000 000 Kubikmeter Abwasser durch die Kläranlage.

Martin Vonlanthen
Betriebsleiter der Kläranlage Saanen

«Ein Liter Abwasser ist fast gleich teuer wie ein Liter Trinkwasser»

Er ist der neue Herr über 15 Tonnen Bakterien und Mikroorganismen: Martin Vonlanthen wurde am 1. Juni 2022 als Nachfolger von Ueli Mösching, der nach 40 Jahren in Pension geht, Betriebsleiter der Kläranlage Saanen. Vonlanthen wurde 1980 geboren, er ist in Saanen aufgewachsen und zur Schule gegangen. Nach der Lehre als Sanitärinstallateur arbeitete er anderthalb Jahre in Genf, danach war er als Servicemonteur im Saanenland tätig. Er ist verheiratet, hat drei Söhne und wohnt in der Oey – gerade mal 900 Meter Luftlinie von seinem Arbeitsort entfernt.

Martin Vonlanthen, wie viel Abwasser verursachen wir im Saanenland pro Jahr und wie teuer kommt uns das zu stehen?

Im Durchschnitt fliessen jährlich 3 000 000 Kubikmeter Abwasser durch die Kläranlage. Pro Person macht dies im Durchschnitt 63 Kubikmeter, also 63 000 Liter pro Jahr. Pauschal rechnen wir 81 Rappen pro 1000 Liter. Ein Liter Abwasser ist also fast gleich teuer wie ein Liter Trinkwasser, was im Vergleich zu anderen Gemeinden aber günstig ist. Da die Kläranlage am tiefsten Punkt der Gemeinde liegt und somit alles Wasser zu uns herunterfliesst, benötigen wir keine teuren Heberwerke.

Geht man im Abwasser der ARA Saanen bezüglich Covid auch auf Virensuche?

Wir sind schweizweit eine von 103 Kläranlagen, die dem BAG wöchentlich drei Proben zur Analyse abliefern. Die Zahlen sollten ab Juli für alle zugänglich sein.

Hat die ARA aktuell genügend Leistungskapazität?

Die Anlage wurde 2005 für 30 000 Einwohnerwerte ausgebaut. Damit sind wir während der Hochsaison gut aufgestellt. Die Zwischensaison mit etwa 8500 Einwohnerwerten ist problematischer, da wir nur zu einem Viertel ausgelastet sind. Dies ergibt zu wenig Nahrung für die Biomasse. 2018 konnte dieses Problem durch die Optimierung der Belüftung und der steuertechnischen Massnahmen zum Teil behoben werden.

Trotzdem haben Sie Ausbaupläne. Welche sind die Gründe dafür?

Da der vor fast 40 Jahren erbaute Faulturm in den Wintermonaten an seine Kapazitätsgrenzen stösst und seit 27 Jahren weder entleert noch saniert worden ist, muss in den kommenden zwei bis drei Jahren ein zweiter Turm gebaut werden. 2025/26 sollen die Anlagen des Blockheizkraftwerks ersetzt werden, damit wir die gesetzlichen Abgaswerte einhalten können. 

Was liegt Ihnen sonst noch auf dem Herzen?

Damit eine Kläranlage gut funktioniert, sollte die Schmutzfracht hoch sein und nicht durch Fremdwasser, das mit 60 Prozent Anteil beziffert wird, zu stark verdünnt werden. Grundwasser, das in undichte Abwasserleitungen eindringt, unerlaubt eingeleitetes Drainagewasser oder Wasser in Form von Niederschlag erschweren den Reinigungsprozess. Ein weiteres Problem entsteht, wenn Haushaltschemikalien oder andere gewässerschädigende Stoffe über die Kanalisation entsorgt werden. Übrigens führt nicht jeder Schacht in die ARA, die meisten führen direkt in ein Gewässer! Bei Havarien durch Landwirtschaft, Gewerbe oder Private muss die ARA umgehend informiert werden, damit die nötigen Massnahmen rechtzeitig ergriffen werden können.

Aus der
Betriebschronik:

1963 

Landerwerb für den Bau einer ARA und einer Kehrichtverbrennungs-
anlage (KVA) in der Oey (heute
Betonwerk/Early Beck).

1972 

Die KVA wird in Betrieb genommen.

1974

 Nach nur zwei Jahren Stilllegung der KVA. Das Gebäude soll für die ARA weiterverwendet werden.

1975 

Wegen der ungünstigen Lage Entscheid für neuen Standort der ARA in der Dorfrütti.

1977 

Spatenstich und Baubeginn.

1983 

Inbetriebnahme der ARA, der Abwasserreinigung und der Faulanlage.

1990 

Einbau der zwei Blockheizkraftwerke.

2003—2005 

Gesamtausbau, Neubau Regenbecken und zweite Biologiestrasse, Sanierung der Becken und der technischen 

Ausrüstung.

2008 

Jubiläum 25 Jahre ARA Saanen.

2010—11 

Neubau Kleinkläranlage Chalberhöni nach Schäden durch Unwetter.

2018 

Erneuerung und Optimierung der Belüftungstechnik inklusive Steuerung.

Autor und Foto: Martin Gurtner-Duperrex

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