SolSarine:
«hausgemachter» Solarstrom für die eigene Region
Was ist der Vorteil von FV-Anlagen in den Bergen?
In Höhenlagen ist die Sonneneinstrahlung – besonders im Winter – intensiver. Die Atmosphäre ist dünner und somit können die Moduloberflächen mehr Sonneneinstrahlung absorbieren. «Oft geht man davon aus, dass Solarstrom keinen wesentlichen Beitrag zur Verkleinerung der Winterlücke leisten kann», sagt Lorenz Furrer. Das Gebirge sei aber klar im Vorteil. Nebel und Bewölkung beschränken sich im Winter häufig auf das Mittelland, während in den Bergen die volle Sonnenenergie zur Verfügung steht. Die Module dieser Anlagen sind so geplant, dass sie selbst bei maximaler Schneehöhe – die bis zu drei Meter betragen kann – Strom liefern können.
Inwiefern braucht die Destination Gstaad diese FV-Anlagen?
«Wir leben von der Wasserkraft unserer Grossväter und von der Atomkraft unserer Väter. Nun ist es an uns, für die nächste Generation zu sorgen. Alpiner Solarstrom ist eine der besten Optionen dafür», sagt Matthias In-Albon. Klimapolitik gehe nur Hand in Hand mit der Energiepolitik: Mit dem Ziel des Bundes, bis 2050 komplett auf erneuerbare Energien umzuschalten, könne SolSarine seinen Beitrag leisten, indem regional CO2-neutraler Strom produziert werde und die Versorgungssicherheit zu- und die Abhängigkeit vom Ausland abnehme, sind die Initianten überzeugt.
Was ist SolSarine?
Das Projekt SolSarine sieht mehrere Fotovoltaik-Grossanlagen in der Alpwirtschaft vor, die in bestehenden Infrastrukturen bzw. an Sömmerungsstandorten fix installiert werden und einheimischen Solarstrom produzieren, ausgelegt auf Winterstrom.
Wer steckt hinter SolSarine?
Kommunikations-UnternehmerLorenz Furrer und Bergbahnen-
direktor Matthias In-Albon haben das Projekt aus privater Initiative ins Leben gerufen – «eine Herzensangelegenheit», wie sie beide betonen. SolSarine ist als AG konzipiert und eingebettet im Verein Impact Gstaad. Neben diesem «Leuchtturmprojekt» entwickelt, fördert und begleitet Impact Gstaad weitere Nachhaltigkeitsprojekte innerhalb bzw. mit Bezug zur Destination Gstaad. Die Gemeinde Saanen unterstützt das Projekt finanziell, indem sie sich an den Projektplanungskosten mitbeteiligt.
Wie gross werden die FV-Grossanlagen und wie viel Strom produzieren sie?
Die Projektinitianten haben sich zum Ziel gesetzt, die ganze Region mit erneuerbarem Solarstrom zu beliefern. Laut In-Albon reichen dafür zwei Quadratkilometer beziehungsweise 0,6 Prozent der vier Gemeindeflächen Gsteig, Lauenen, Saanen und Zweisimmen aus, um 100 Prozent des gesamten Energiebedarfs zu decken. SolSarine soll im Endausbau deshalb mit mehreren Standorten eine Gesamtfläche von zwei Quadratkilometern erreichen, die jährlich rund 300 Gigawattstunden Solarstrom produzieren. Für rund 100 Hektare hat SolSarine Zusagen von Landbesitzern und Gemeinden, rund die Hälfte befindet sich bereits in einem fortgeschrittenen Planungsprozess.
Wo sollen die ersten Fotovoltaikanlagen installiert werden?
Zurzeit sind zwei Standorte in der Planung weit fortgeschritten und werden auch seitens Kanton priorisiert: die Alp Schneit und der Hornberg. Das Wannehörli – welches laut einer Medienmitteilung des Kantons Bern auch als möglicher Standort angeschaut wird – sei nicht Teil ihres Projekts, betont Lorenz Furrer. «Wir haben Standorte in Betracht gezogen, die eine geringe Einsichtbarkeit haben und bereits eine Infrastruktur vorweisen», erklärt er. Zudem würden sie mit Expert:innen aus der Biologie und Geologie zusammenarbeiten, um so nachhaltig und umweltfreundlich wie möglich zu arbeiten. Ziel sei es, die Alpwirtschaft weiterhin zu ermöglichen und die Biodiversität zu erhalten. «Es ist eine Umstellung, aber die Landeigentümer profitieren auch», argumentieren die Projektverantwortlichen. Der Betrieb auf der Alpwirtschaft werde wenig beeinträchtigt, weil sich die Unterkante der Solarmodule auf rund 2,7 Meter über dem Boden befände: Kühe könnten ungehindert zwischen und unter der Anlage grasen und elektrische Kabel und Apparaturen seien ausser Reichweite von Tieren und Maschinen. Als Basis sollen möglichst nur Schraubenfundamente verwendet werden. «Kein Beton und somit ist eine saubere Rückbaubarkeit gegeben», so Furrer.
Wie viel kostet das Projekt und wie wird es finanziert?
Das Investitionsvolumen hänge stark von der effektiven Grösse der Solarparks ab, so die Projektverantwortlichen. Sie gehen aber davon aus, dass das Projekt rund 100
Millionen Franken kosten werde, von denen bis zu 60 Prozent durch den Bund mit einem einmaligen A-fonds-perdu-Beitrag finanziert werde. Dies ist möglich, weil die Bundesversammlung vergangenen Herbst ein dringliches Bundesgesetz unter Dach und Fach gebracht hat («Solarexpress»), um eine Stromversorgung mit erneuerbarer und heimischer Energie zu gewährleisten. Das Parlament hat dafür Fördergelder von rund 3,4 Milliarden Franken bereitgestellt: Mit den beschlossenen Änderungen des Energiegesetzes erleichterte das Parlament die Bewilligung von Fotovoltaik-Grossanlagen und legte für diese eine Förderung mit einer Einmalvergütung von bis zu 60 Prozent der Investitionskosten fest. Die restlichen 40 Prozent sollen privat bzw. aus dem Umfeld von Impact Gstaad finanziert werden. «Es sollen auch Einheimische die Möglichkeit erhalten, in das Projekt zu investieren», erklärt Lorenz Furrer.
Autorin: Jocelyne Page; Visualisierung: SolSarine