Elektroinstallateur: «Das Interesse ist wichtig, alles andere kann man lernen»

«Nein, gar nie», erwidert Lionel von Grünigen, Elektroinstallateur-Lehrling bei der ISP Electro Solutions AG im dritten Jahr, auf die Frage, ob es ihm schon mal einen «geputzt» habe. «Kann es auch nicht», doppelt sein Ausbilder Nicolas Reichenbach dezidiert nach. «Wenn man die Sicherheitsregeln strikt einhält, ist der Beruf nicht gefährlich.» Das Arbeiten ist nur bei Spannungsfreiheit erlaubt. Auf den Baustellen erfolgt dies durch das Plombieren der Leitungsschutzschalter, damit der Strom nicht versehentlich eingeschaltet wird.

«Beim Ausbau meines Elternhauses habe ich schon als Kind gern dem Elektriker geholfen», erzählt von Grünigen mit leuchtenden Augen, die «höllenvielen» Kabel hätten ihn fasziniert. Auch im Physikunterricht gefiel ihm das Zusammenschalten von Stromkreisen und Lämpchen. Daher entschied er sich, Elektroinstallateur zu werden. Er ist überzeugt, dass es eine Ausbildung mit guten Zukunftsaussichten ist.

Was dem Achtzehnjährigen an dieser Arbeit besonders gefällt, ist die Abwechslung und das Zusammenarbeiten mit Maurer:innen, Schreiner:innen und Zimmerleuten auf dem Bau ­– etwas weniger das Einlegen von Rohren draussen bei «leidem» Wetter. Er bedauert, dass nicht mehr Frauen diese vielseitige Ausbildung wählen, in seiner Klasse gebe es nur eine Lernende. Der Gruppendruck sei wohl dafür verantwortlich, nicht der Beruf selbst, sind sich der Lehrling und sein Berufsbildner einig.

Und welche Voraussetzungen braucht es, um Elektroinstallateur:in zu lernen? «Farbenblind darf man sicher nicht sein, weil die verschiedenfarbigen Drähte auf keinen Fall verwechselt werden dürfen», gibt Lionel von Grünigen Auskunft. «Weiter sind Kenntnisse in Mathematik, insbesondere Algebra, und Physik hilfreich.» Aus diesem Grund habe man früher Sekundarschüler bevorzugt, aber heute seien auch Realschüler willkommen, fügt Reichenbach an. Denn neben der Begabung und handwerklichem Geschick sei vor allem das Interesse wichtig – «alles andere kann man lernen».

Zur Person: 

Lionel von Grünigen, Jahrgang 2005, ist wohnhaft im Äbnit bei Gstaad. Er hat eine ältere Schwester namens Celine und zwei jüngere Brüder, Lucien und Valentin. Seine Schulzeit verbrachte er in der Rütti, danach im OSZ Gstaad. In seiner Freizeit spielt er gerne Cornet in mehreren Brass Bands.

Zur Person: 

Nicolas Reichenbach, 1988 geboren, wohnt im Gsteig. Nach der Grundschule in der Gemeinde Gsteig und im OSZ Gstaad lernte er während eines Jahres Französisch in Château-d’Oex. Seine Ausbildung als Elektroinstallateur absolvierte er in der ISP Elektro Solutions AG, danach schloss er eine Weiterbildung als Projektleiter ab. In der Freizeit ist er gerne viel unterwegs, mal auf dem Bike oder am Wasser.

Autor und Fotos: Martin Gurtner-Duperrex