Man muss nicht das Rad neu erfinden, sondern wissen, wie man es dreht.

In Anlehnung an Simon Oehrlis Motto: Denken hilft!

Pferdesattel

Eines der Vorzeigeobjekte von Simon Oehrli ist der Unterbau für den Pferdesattel. Zehn Jahre investierte er in die material- und programmiertechnische Entwicklung. Auf Oehrlis Schablonen werden in Deutschland Schichten aus Buchenholz geschnitten und verleimt. Die Kundenwünsche sind so vielfältig, dass Oehrli 350 verschiedene Modelle anbieten kann. Sein Produkt, auf einer gesteuerten Maschine hergestellt, ist europaweit einzigartig — und betreffend Qualitätsniveau weltweit führend.

«Denken hilft!»

Die Aussage «Beruf kommt von Berufung» findet in der Person von Simon Oehrli hundertprozentige Bestätigung. Der Wagner* und Schreinerwerkmeister* ist Inhaber der Wagnerei Oehrli in Lauenen. Der innovative Fachmann entwickelt und fertigt zusammen mit seiner Partnerin Petra Oehrli Produkte, die den Laien staunen lassen.

Aus der Geschichte der Menschheit erfährt man, dass die Füsse nur so lang trugen, bis man fahren konnte. Um fahren zu können, brauchte es rollende Untersätze – Räder. Vor vielen Tausend Jahren gelang es kreativen Menschen, Räder und Wagen herzustellen. Zugtiere, Ochsen und Pferde, standen schon längst bereit. Im Verlaufe der Jahrhunderte entwickelte sich das Wagenmachen, die Wagnerei, zu einem blühenden Geschäft. Zusätzlich zu Karren und einfachen landwirtschaftlichen Transportvehikeln entwickelten sich gefederte Fuhrwerke (Kutschen) und ganz offene Pferdewagen. Besonders beachtet wurden zweifelsohne die Postkutschen.

In den 1950er-Jahren gab es im Saanenland acht Wagner. Begehrt waren Brückenwagen, Trämel- und Mistwagen sowie Stosskarren. Mit dem Aufkommen der Gummiräder verschwanden die Holzräder und damit auch die Rädermacher. Mit dem Älterwerden der Wagner erlosch auch das traditionelle Wagnerhandwerk. 

Aber nicht alle Räder blieben stehen. Eines dreht auf vollen Touren weiter. An der Chämelistrasse 15 in Lauenen bei Gstaad führt Simon Oehrli, diplomierter Wagner und Schreinerwerkmeister, zusammen mit einem kleinen, aber tüchtigen Team seine Wagnerei. Hoch oben in der geräumig gebauten Werkstatt hängt ein Plakat mit der Aufschrift: «Denken hilft!» Dieses Motto, das sich das Team Oehrli einverleibt hat, erklärt das Know-how in diesem Vorzeigebetrieb.

Simon Oehrli mag den Vergleich mit Leonardo da Vinci nicht, obwohl auch er aus Neugier, Interesse und grosser Leidenschaft nach Neuem sucht, experimentiert und kreiert. Auch hochkomplexe Prozesse hindern ihn bei seinem Handeln nicht. Sein Credo lautet: «Was im Automobil- und Flugzeugbau seit Jahrzehnten möglich ist, muss auch im Holzbau zu bewerkstelligen sein.»

* mit eidgenössischen Diplomen

Resonanzkörper

Ein anderer, nicht minder ausgeklügelter Artikel ist der aus Kirschenholz hergestellte Resonanzkörper für Lautsprecheranlagen. Die Herausforderung war, das Raumvolumen und die Dicke der Holzwände in stimmigen Einklang zu bringen. Dort, wo des Wagners Fertigkeiten enden, sind Fachleute anderer Branchen gefragt. Ein Akustiker aus England sorgte für die Reinheit des Tones.

Simon Oehrli – Wagnermeister

Eine bemerkenswerte Aussage des Wagnermeisters Oehrli lautet: «Ich habe gerne Ordnung, weil ich nicht gerne suche. Suchen ist unproduktiv!»

Beratung: Simon Oehrli, Wagnermeister, Lauenen; Autor: Eugen Dornbierer-Hauswirth
Fotos: Eugen Dornbierer-Hauswirth

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